Statt allein daheim gemeinsam im Büro (MZ)

Sieben Freunde haben sich zusammen einen Traum erfüllt: Jetzt eröffnen die Freiberufler Regensburgs erste Coworking-Space.

VON HEIKE HAALA, MZ

REGENSBURG Daniel Schellhorn ist freiberuflicher Programmierer. Als er vor einiger Zeit nach Regensburg zog, hatte er bereits fünf Jahre lang von zu Hause aus gearbeitet. In der neuen Stadt sollte das aber nicht so weitergehen. Den ganzen Tag zu Hause alleine vor dem Computer zu arbeiten – davon hatte er die Nase gründlich voll.

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Fotografin Monika Roth (v. l.), Programmierer Daniel Schellhorn und Grafikerin Jutta Sonnleitner sitzen im „neep 01“.  Foto: Haala

Heute wird er zusammen mit der Fotografin Monika Roth, dem Unternehmensberater Andreas Geiling, der Fotografin und Filmemacherin Maria Siebenhaar, der Grafikerin Jutta Sonnleitner, der IT-Expertin Gabriele Thanner und dem Social-Media-Experten Daniel Wagner die erste Regensburger Coworking-Space eröffnen. Sie heißt „neep 01“ und ist im ersten Stock des Bürogebäudes in der Maierhoferstraße 1 in der Nähe des Stobäusplatzes.

80 Quadratmeter mit einer Option auf Erweiterung haben sie sich dort gemietet. An fünf großen Holzschreibtischen werden die Freiberufler in Zukunft nebeneinander arbeiten und ihre Aufträge generieren. Außerdem gibt es einen Besprechungsraum und eine Kaffeeküche.

Vor dem heutigen Start lag ein langer gemeinsamer Weg. Erst einmal mussten sie sich als Partner finden. Zudem galt es, in Erfahrung zu bringen, wie so eine Coworking-Space funktionieren kann. Schellhorn war dafür in über zehn Städten. Etwa in Nürnberg, Augsburg oder Wolfsburg hat er sich informiert. Außerdem brauchten sie eine passende Immobilie. Dabei musste sich das Team erst einmal auf den Gedanken einlassen, dass der ideale Raum für eine kleine Startergruppe von sieben Personen nicht unbedingt eine urbane Fabrikhalle sein muss, wie etwa das „betahaus“ in Berlin eine ist. Diese Coworking-Space teilen sich immerhin 200 Leute miteinander. Mit den 80 Quadratmetern, auf denen sie jetzt untergebracht sind, wollen sie in einem Jahr „bei Null“ rauskommen.

In die Quere sind sich die sieben Bürokollegen auf den fünf Schreibtischen noch nie gekommen – und das obwohl sie auf einen Belegungsplan verzichten. „Das Büro ist eigentlich immer locker besetzt“, sagt Schellhorn. Jeder kommt dann, wenn er seine Arbeit erledigen will. Zwei Arbeitsplätze sind fest vergeben, drei weitere können flexibel gemietet werden. Alle Mitglieder der Coworking-Space sind froh, dass sie nun während der Arbeitszeit Menschen um sich haben, mit denen sie sich gut verstehen. Außerdem profitieren sie von der Expertise der Bürogenossen. Bisweilen arbeiten sie auch an gemeinsamen Projekten – wobei sie aber sagen, dass es nicht ihr vorrangiges Ziel ist, durch die Kontakte zu den Bürokollegen möglichst viele Aufträge abzugreifen.

Die Sieben können sich auch vorstellen, dass sie ihre Büro-WG noch erweitern. Sollte jemand in die Bürogemeinschaft aufgenommen werden wollen, wird er im Probe-Coworken zeigen müssen, wie und wer er ist. Den sieben Startern ist es nämlich wichtig, dass sie sich nicht lediglich die Miete für das Gebäude teilen, sondern auch, dass sie sich gut verstehen.

Auf den Namen „neep 01“ sind Coworker durch eine kleine Buchstabenschubserei gekommen. Als es daran ging, einen Namen für ihr Projekt zu finden, wollten sie eine witzige und moderne Bezeichnung. Der erste Vorschlag lautete „Bürogemeinschaft Regensburg“: Das hat keinen überzeugt. Auch das Kürzel „BüRe“ oder „ReBü“ gefiel nicht. Da fiel ihnen auf, dass das Kürzel auch ein Anagramm von „Rübe“ ist. So hat das englische Wort für das Wurzelgemüse „neep“ ihrem neuen Arbeitsplatz den Namen gegeben.

COWORKING

Die Idee:
Coworking hat seine Wurzeln in den USA. 2005 entwickelte es Brad Neuberg, Softwareprogrammierer aus San Francisco. Er wollte einen Arbeitsraum für Freiberufler anbieten. Die öffentlichen Alternativen entsprachen weder seinen Ansprüchen, noch konnte er sich die Leute, neben denen er arbeitete, aussuchen. Um flexibel arbeiten zu können und Gleichgesinnten einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, mietete Neuberg zwei Mal pro Woche einen Raum. Nach und nach schlossen sich mehr Menschen an und so entstand der erste Coworking-Space, „the headfactory“, in San Francisco.

Coworking in Deutschland:
Coworking-Spaces gibt es in vielen deutschen Großstädten. Einer der bekanntesten Coworking-Spaces in Deutschland ist das „betahaus“ in Berlin. Grundgedanke dieser Gemeinschaftsbüros ist, zeitlich flexible und kostengünstige Arbeitsplätze anzubieten. Die Bürogemeinschaft soll als soziales Netzwerk dienen. Coworking ist eine Arbeitsform, die meist von Freiberuflern genutzt wird, aber auch verstärkt von Firmen. Teil des Angebots eines Coworking-Spaces ist auch die gemeinsame Nutzung des Internetzugangs oder der Besprechungsräume. (Quelle: www.coworking-regensburg.de)

18.11.2014, Mittelbayerische Regensburg